Wenn der Herrscher mit Gewalt an die Macht kommt…

Al-Ĥāfidh Ibn Ĥadjar, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagt in „Fatĥal-Bārī“ (7/13): „Die Fuqahā` haben einstimmig beschlossen, dass der Gehorsam gegenüber dem Machthaber, der sie bezwungen hat und der Djihād mit ihm, verpflichtend sind! Denn der Gehorsam ihm gegenüber, ist besser, als die Rebellion gegen ihn, da es Blutvergießen unterbindet und das Gesindel zurückhält.“

Imām Aĥmad, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagt in seinem „al-I’tiqād“, so wie es in der „Şunnah“ von al-Lalkā`ī(2/161) steht: „Wer gegen den Führer der Muslime rebelliert, während sich die Menschen hinter ihm versammeln und ihm die Nachfolge anerkennen, egal auf welche Art und Weise dies auch geschehen mag, ob durch Wohlgefallen ihrerseits oder durch seinen Sieg über sie, der hat die Einheit der Muslime gespalten und hat sich den Überlieferungen über den Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, widersetzt. Wenn dieser Rebellierende stirbt während er weiterhin auf seiner Rebellion beharrt, stirbt er den Tod der Djāhiliyyah.“

Es werden Führer nach mir kommen, die nicht mit meiner Rechtleitung führen und nicht meine Şunnah befolgen

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, der Herr der Welten. Und möge Allah unseren Propheten Muĥammad loben und Heil schenken, ihn, seine Familie und all seinen Gefährten. Er, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagte: „Und in einem anderen Wortlaut heißt es: „Es werden Führer nach mir kommen, die nicht mit meiner Rechtleitung führen und nicht meine Şunnah befolgen. Die Herzen einiger von ihnen sind die Herzen von Satanen in Körpern von Menschen.“ Ich sagte: „Was soll ich tun, oh Gesandter Allahs, wenn ich diese Zeit erleben sollte?“ Er sagte: „Du sollst (auf den Herrscher) hören und ihm gehorchen. Egal ob er deinen Rücken schlägt und dir dein Eigentum nimmt; du sollst auf ihn hören und ihm gehorchen.“[1]

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(Scheikhu l-Işlām Ibn Taimiyah, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagte als Erläuterung) Gelobt sei Allah, Der Herr der Welten. Und möge Allah Seinen Diener und Gesandten Muĥammad loben und Heil schenken, ihn, seine Familie und all seine Gefährten.

Dies ist der Wortlaut bzw. ein Teil des Ĥadīths von Ĥudhaifah, Allahs Wohlgefallen auf ihn, der in beiden Şaĥīĥ-Werken verzeichnet ist. Dieser Wortlaut ist jedoch nur bei Muşlim verzeichnet. Auch der Scheikh hat nicht erwähnt, dass dieser Wortlaut nur bei Muşlim zu finden ist, er sagte lediglich: „Und in einem anderen Wortlaut heißt es […].“

„Es werden Führer nach mir kommen – hiermit sind Machthaber gemeint – die nicht mit meiner Rechtleitung führen und nicht meine Şunnah befolgen.“ Hierin ist eine Diffamierung dieser Leute, da sie sich nicht recht verhalten, weder in ihrer Rechtleitung noch in ihrer Handlungsweise, sei es in Bezug auf sich selbst oder auch in Bezug auf die Leitung der Ummah. Das heißt, dass sie in ihrer Handlungsweise und in ihrer Leitung der Ummah mit einer anderen Rechtleitung führen und eine andere Şunnah befolgen.

„Die Herzen einiger von ihnen sind die Herzen von Satanen in Körpern von Menschen.“[2] Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah! Neben diesen Führern, die mit solchen Eigenschaften beschrieben wurden, nämlich dass sie abgewichen sind und sich weder an die Şunnah halten noch sich recht verhalten, gibt es noch weitere, die viel schlimmer sind. Es werden einige Männer aus den Reihen dieser Führer hervorkommen, deren Herzen „die Herzen von Satanen in Körpern von Menschen“ sind. Die Satane sind die Bösen der Menschen und der Djinn. Sie sind die Bösen und die Feinde der Gesandten: "Und so haben Wir jedem Propheten Feinde bestimmt: die Satane der Menschen und der Djinn, von denen die einen den anderen prunkende Worte eingeben in Trug."[3] Ihre Herzen sind die Herzen von Satanen, das bedeutet: Diese Herzen mögen das Böse und den Verfall und sie rufen auch danach. Aber sie sind in Körpern von Menschen. Diese Herzen sind in menschlichen Körpern. Doch auch wenn sie Menschen sind und Körper von Menschen haben, so ist ihr Inneres Böse. Dies ist die äußerste Beschreibung von dem, worauf sich diese Führer an Bosheit und Übel befinden, ihre Herzen sind „die Herzen von Satanen“ – ich suche Zuflucht bei Allah davor – auch wenn ihr Äußeres den der anderen Menschen gleicht. Der erhabene Allah hat über die Heuchler gesagt: "Dies, weil sie (zuerst) gläubig gewesen, hierauf aber ungläubig geworden sind. Da wurden ihre Herzen versiegelt; so verstehen sie nicht. Und wenn du sie siehst, gefällt dir ihr Äußeres, und wenn sie reden, hörst du ihren Worten zu. Sie sind wie angelehnte Hölzer. Sie meinen, jeder Schrei sei gegen sie. Sie sind die (wahren) Feinde; so sieh dich vor ihnen vor. Allah bekämpfe sie! Wie sie sich (doch) abwendig machen lassen!"[4] Auf die Heuchler trifft diese Beschreibung zu, da sie in ihrem Innern wahrlich Satane sind. "Und wenn sie diejenigen treffen, die glauben, sagen sie: „Wir glauben.“ Wenn sie jedoch mit ihren Teufeln allein sind, so sagen sie: „Wir stehen zu euch. Wir machen uns ja nur lustig.“"[5]

Ĥudhaifah, Allahs Wohlgefallen auf ihn, sagte: „Womit befiehlst du mir, O Gesandter Allahs, wenn dies geschieht? Was soll ich tun, wenn ich diese Zeit erleben sollte, wo diese Sorte von Machthabern zum Vorschein kommt?“ Er (der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken) sagte: „Du sollst hören und gehorchen.“ Gepriesen sei Allah! Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah! Unsere Religion basiert nicht auf eigene Sichtweisen, sondern auf die Gesetze Allahs und auf den Glauben. Man fügt sich den Gesetzen Allahs. Er fragte: „Was befiehlst du mir?“ Er sagte: „Du sollst hören und gehorchen.“ Eine oberflächliche Sichtweise würde hier heißen: Bekämpft sie und hört weder auf sie noch gehorcht ihnen, im Gegenteil, verbannt sie. Dies wäre eine oberflächliche und kurzsichtige Sichtweise, die nicht auf Rechtleitung aufbaut. Die Scharī’ah hingegen ist eine Offenbarung von einem Allweisen. Deshalb muss man sich ihr beugen!

Als die Engel erfahren haben, dass Allah, Der Erhabene, Adam erschaffen wird und Menschen, die die Erde bewohnen werden, sie aber auch gleichzeitig wussten – da Allah sie darüber unterrichtet hatte – dass diese Menschheit Unheil auf der Erde stiften wird und Blut vergießen wird, sagten sie: "Willst Du auf ihr etwa jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil stiftet und Blut vergießt, wo wir Dich doch lobpreisen und Deiner Heiligkeit lobsingen?"[6] Als wollten sie damit sagen: „O Herr! Wir führen die Anbetungen und die Lobpreisungen aus und alles, was Du magst. Warum willst Du auf der Erde jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil stiftet und Blut vergießt?“ Er sagte: "Ich weiß, was ihr nicht wisst."[7]

Genau so werden auch wir argumentieren, wenn jemand sagt, warum wir hören und gehorchen sollen bzw. warum die Menschen aufgefordert werden, auf diese Führer zu hören und ihnen zu gehorchen, die solche Eigenschaften besitzen, nämlich dass sie weder mit der Rechtleitung führen noch die Şunnah des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, befolgen und dass die Herzen einiger von ihnen die Herzen von Satanen in Körpern von Menschen sind? Wir sagen: Weil es Pflicht ist, sich (den Befehlen Allahs) zu beugen und die Angelegenheit Allah zu überlassen. Er sagte: „Du sollst auf ihn hören und ihm gehorchen.“[8]

Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah! „Egal ob er deinen Rücken schlägt und dir dein Eigentum nimmt.“ Es ist die Geduld! Die Sache macht hier keinen Halt mehr vor den Dingen, die nur die Machthaber an Unmoral, Sünde usw. selbst betreffen, nein, die Sache ist größer geworden und ist nun zu einer Ungerechtigkeit geworden, indem andere geschlagen und ihnen ihr Besitz weggenommen wird. Doch trotz alledem rechtfertigt dies weder eine Rebellion noch die Verweigerung des Gehorsams ihnen gegenüber oder das Unterlassen des Treueeids (Bay’ah).  

Sei geduldig, „egal ob er deinen Rücken schlägt und dir dein Eigentum nimmt“. Das steht im Gegensatz zu dem Fall, wenn eine einfache Person gegen einen anderen übertritt. Hier darf sich der andere verteidigen, so wie es in dem Folgenden authentischen Ĥadīth überliefert wurde: „Oh Gesandter Allahs, was denkst du über einen Mann, der kommt, um meinen Besitz zu nehmen?“ Er antwortete: „Gib ihm deinen Besitz nicht.“ Er sagte: „Was, wenn er mich bekämpft?“ Er antwortete: „Bekämpfe ihn.“ Er sagte: „Was, wenn er mich tötet?“ Er antwortete: „Dann wirst du ein Märtyrer sein.“ Er sagte: „Was, wenn ich ihn töte?“ Er antwortete: „Er wird in der Hölle sein.“[9]

Wenn dieser (der dir dein Besitz nimmt) jedoch ein Machthaber ist, dann ist dies keine Rechtfertigung, um gegen ihn zu rebellieren, im Gegenteil, du musst geduldig sein. Rebellion ist nicht erlaubt. Gewiss, er ist ungerecht und hat dir dein Recht genommen, doch du machst es für Allah und nicht, weil du diese bestimmte Person damit ehren willst, nein! Gewiss, es ist eine Ungerechtigkeit, doch deine Geduld dient hier einer größeren Sache. Wenn er dir etwas von deinem Besitz nimmt und dir unrecht tut, indem er dich schlägt usw., dann darfst du nicht etwas tun, was der gesamten Ummah Unheil bringt.

Wir können dies vielleicht an einem anderen Beispiel verdeutlichen. Wenn ein Vater seinem Sohn unrecht tut und ihn zu Unrecht schlägt, darf der Sohn dies dann als Rechtfertigung nehmen, um seinen Vater zu schlagen, indem er sich für all das rächt? Gewiss, der Vater ist ungerecht. Er hat ihm Unrecht angetan, doch rechtfertigt dies noch lange nicht die Tat des Sohnes. Ich erwähne dieses Beispiel nicht, weil die Problematik gleich ist, nein, diese Angelegenheit (der Machthaber) ist viel gewaltiger, deshalb sagte er auch: „Du sollst auf ihn hören und ihm gehorchen.“ Und Allah ist Derjenige, bei Dem Hilfe zu suchen ist.

 

Scheikhu l-Işlām Ibn Taimiyah in „Scharĥ Aĥādīth fī l-Fittan wa l-Ĥawādith“ Band 1

 

 



[1]
Verzeichnet bei Muşlim, „al-Imārah“ Nr. 1847

[2]Verzeichnet bei Muşlim, „al-Imārah“ Nr. 1847

[3]Al-An’ām 6:112

[4]Al-Munāfiqūn 63:3-4

[5]Al-Baqarah 2:14

[6]Al-Baqarah 2:30

[7]Al-Baqarah 2:30

[8]Verzeichnet bei Muşlim, „al-Imārah“ Nr. 1847

[9]Verzeichnet bei Muşlim, „al-Īmān“ Nr. 140

Das Rebellieren gegen die Befehlshaber

Das Rebellieren gegen die Befehlshaber gehört zu den Heimsuchungen, mit denen die Muslime seit jeher heimgesucht wurden. Die Ahlu ş-Şunnah vertreten jedoch die Ansicht – und dafür sei Allah dank – dass das Rebellieren gegen den Befehlshaber nicht zulässig ist. Denn der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wer zu euch kommt, wenn ihr vereint hinter einem Manne steht, und versucht, eure Einheit zu spalten oder eure Gemeinschaft zu zersplittern, so tötet ihn!“1

Und der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte auch: „Wenn zwei Kalifen der Treueeid (Bay’ah) geleistet wird, so tötet den Zweiten von ihnen!“2

Ubādah Ibn aş-Şāmit, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte: „Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, rief uns zum Treueeid (Bay’ah) auf und wir gaben sie ihm. Zu dem, wozu er uns die Bay’ah abnahm, zählte, dass wir hören und gehorchen, in allem, was uns lieb und unlieb ist, im Leichten wie im Schwierigen, auch auf die Bevorzugten (der Befehlshaber) uns selbst gegenüber hin, und dass wir die Befehlsgewalt jenen, die sie innehaben, nicht streitig machen. Er ergänzte: Es sei denn, ihr seht einen offenkundigen Unglaube (Kuffr), für den ihr von Allah einen klaren Beleg habt!“3

Das Rebellieren gegen die Befehlshaber wird als Fittnah gesehen und ist der Grund für das Blutvergießen und das Schwächen der Muslime. Das gilt auch dann, wenn der Befehlshaber ungläubig sein sollte, bis die Muslime in die Lage kommen, ihn abzusetzen, ohne dass dabei das Blut der Muslime vergossen wird. Denn Allah, Ruhmreich und Erhaben ist Er, hat gesagt: "Und wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist die Hölle, ewig darin zu bleiben. Und Allah zürnt ihm und verflucht ihn und bereitet ihm gewaltige Strafe."4

Seit jeher zeigt die Geschichte der Ahlu ş-Şunnah, dass es nicht erlaubt ist, gegen den muslimischen Befehlshaber zu rebellieren. In dieser heutigen Zeit darf selbst das Rebellieren gegen einen ungläubigen Befehlshaber nur unter strengen Voraussetzungen stattfinden. Wenn der Befehlshaber jedoch unwissend sein sollte, dann muss er belehrt werden. Außerdem darf ein Übel nicht zu einem größeren Übel führen. Und das Blut der Muslime darf dabei unter keinen Umständen vergossen werden.

Scheikh Muqbil Ben Hādī al-Wādi‘ī in „Tuĥfat al-Mudjīb“ S. 227

 

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1 Verzeichnet bei Muşlim

2 Verzeichnet bei Muşlim

3 Verzeichnet bei Bukhārī und Muşlim

4 An-Nişā` 4:93

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